Hallo mein Freund, wie geht es Dir?

Flüchtlinge engagieren sich bei den

Werkstätten Esslingen Kirchheim (WEK) in Esslingen Zell

 

           Morgens um 08:00 Uhr sitzt der 47-jährige Ali Ahmad aus Syrien schon fleißig in der Werkstatt für Menschen mit Behinderung. Im Gegensatz zu seinem eher ruhigen Kollegen redet Hesham Kordia (50), der gebürtige Palästinenser gerne, deshalb kann er in kurzer Zeit schon gut deutsch sprechen. Die beiden Männer, die zurzeit in der Gemein-schaftsunterkunft für Flüchtlinge in der Sporthalle wohnen, arbeiten seit gut zwei Monaten in den Werkstätten Esslingen Kirchheim (WEK), die in der Röntgenstraße 36 und ganz nah an der Sporthalle Zell in Esslingen liegen. Die WEK ist seit ihrer Gründung in 1984 eine Einrichtung für Menschen mit Behinderung, die eine Berufs-ausbildung und eine Beschäftigung anbietet, damit Menschen mit Behinderung die Möglichkeit haben, am Berufsleben teilzuhaben.

Dank der Unterstützung der Evangelischen Kirchengemeinde in Zell und in Zusammenarbeit mit dem Geschäftsführer der WEK, Volker Ditzinger, können die beiden "Männer aus Zell" in einem Ein-Euro-Job Erfahrungen sammeln statt nur in der Sporthalle auf ihre Asylverfahren zu warten und nichts tun zu haben. Die beiden Männer kommen jeden Tag, von montags bis freitags zwischen 8 und 12 Uhr fleißig zur Arbeit. Anschließend können sie in den WEK auch mit zu Mittag essen.

            Es macht mir Spaß, neue Leute kennenzulernen. Alle sind sehr nett zu mir, erzählt Kordia, der freundlich zwischendurch seine Kollegen mit dem Satz "hallo-mein-Freund-wie-geht-es-dir" begrüßt. Er ist aus dem Gazastreifen geflüchtet und lebt seit September 2014 in der Sporthalle. Der ehemalige Arabischlehrer, der in seinem Land auch als Dekorateur tätig war, möchte sich nicht nur schnell in die deutsche Gesellschaft integrieren, sondern auch seine Dankbarkeit zeigen. Ich komme hier gerne her und kann meinen behinderten Freunden helfen. Vielleicht ist das nur ein kleiner Beitrag von mir, aber ich bin damit glücklich. Ihm gegenüber sitzt sein Arbeitskollege im Rollstuhl, der sich immer freut, wenn Hesham Kordia ihn anspricht und seine Schulter klopft. Ali Ahmad stimmt zu, dass er, seit seiner Beschäftigung in den WEK, viele neue Sachen lernte. Die grenzlosen Freundlichkeit von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, aber auch die Hilfsbereitschaft von den Betreuerinnen und Betreuern lenken ihn von seiner Sehnsucht ab, dass er von seiner Frau und seinen vier Kindern getrennt lebt. Die Familie lebt bis zuletzt in Jarmuk, bei Damaskus in Syrien. Ali Ahmad, der in Syrien als Journalist tätig war und Posaune spielt, hat das Gefühl, dass er sich in den WEK wertvoll fühlt, weil er etwas Gutes macht.

Fotos: Adi

           Volker Ditzinger, der 2008 als Geschäftsführer zu den WEK kam, stellte die beiden Männer von der Sporthalle an, um ihnen eine Beschäftigung anzubieten. Immerhin kann er bis zu drei Arbeitsplätze anbieten, denn die Anstellung von den Flüchtlingen ist kein Projekt von den WEK, sondern basiert mehr auf einer humanitären Einstellung. Da die Beschäftigung der Flüchtlinge in den WEK kein "offizielles Angebot" ist, erhalten die beiden Männer von der Sporthalle Freiheit für ihre Arbeitszeit. Jedoch halten Ali Ahmad und Hesham Kordia ihre Arbeitszeit -inklusive der Pausenzeit- fest ein, genauso wie die anderen Mitarbeiter. Obwohl sie frei und flexibel arbeiten, plant Volker Ditzinger ihren Einsatz gut und sorgfältig. Die ersten Monate sollten sich Ahmad und Kordia im Arbeitsbereich betätigen und Menschen mit Behinderung in der Produktion unterstützen. Das ist die Zeit, in der die beiden Männer und die anderen Mitarbeitern sich näher und besser kennenlernen, denn eine Zusammenarbeit mit Menschen mit Behinderung ist speziell. Eine besondere Annäherung, um Vertrauen aufzubauen, ist dabei wichtig. Wenn zwischen beiden Seiten Vertrauen geschaffen wurde, können die Männer von der Sporthalle einzelne Menschen mit Behinderung begleiten und z.B. mit ihnen spazieren gehen. Es ist auch ein Prozess, dass Ali Ahmad und Hesham Kordia schneller Deutsch lernen und integrieren.

            Hesham Kordia ist durch seine offene Art bereits unter seinen Kollegen berühmt. Während des Interviews mit den beiden Männern kamen immer wieder Leute zu ihnen. Wie gewohnt lachte Hesham breit und begrüßt mit seiner lauten Stimme hallo-mein-Freund!. [Adi]

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Asylbewerber in Zell: „Wir wünschen, brauchen und suchen Beschäftigung“

„Das Leben eines Flüchtlings besteht aus Warten“ äußerte Julie Hoffmann, die Leiterin des AWO-Sozialdienstes, bereits in der Stuttgarter-Zeitung.de vom 10.09.2014. In der Tat warten zurzeit noch viele Männer in der Notunterkunft Sporthalle-Zell auf ihren Asylverfahren. Seit Monaten nur warten, hoffen und suchen die Flüchtlinge nach Beschäftigung; auch wenn es nur eine ehrenamtliche Beschäftigung ist. Unterschiedliche Berufe und Fähigkeiten besitzen die jungen Männer von der Sporthalle: Handwerker, Innendekorateur, Schneider, Koch, Krankenpfleger, Elektriker, usw. Wenn Sie einem bzw. mehreren von den Männern Beschäftigungen anbieten möchten, nehmen Sie bitte Kontakt unter den folgenden Adressen auf:

buntES Geschäftsstelle

Herr Holger Kögl

Frau Adiyanti Sutandyo-Buchholz

Montags 9:00 - 15:00 Uhr
Referat für Migration und Integration

Rathausplatz 2/3 (Dekanatsgebäude - neues Rathaus), 1. Stock, R. 154

73728 Esslingen

Tel. : 0711 / 3512-3429

Fax: 0711 / 3512-3382

E-Mail: buntes@googlemail.com

Internet: www.buntes-esslingen.com

 

oder bei

 

STADT ESSLINGEN AM NECKAR - Referat für Migration und Integration

Rathausplatz 2/3, 73728 Esslingen

Tel.: 0711 / 3512 - 2876 (täglich 09:00-12:30 Uhr)

Fax.: 0711 / 3512-3382

E-Mail: Referat-Migration-Integrationesslingen.de

Internet: www.esslingen.de

 

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