LALEH GOMARILUKSCH (Iran-Philippinen) schreibt ...

 

Ich bin Laleh Gomari-Luksch, eine Doktorandin an der Universität Tübingen. Ursprünglich komme ich aus Manila auf den Philippinen. Ich lebe seit September 2008 hier in Deutschland, bin aber erst vor etwa drei Jahren nach Esslingen gezogen.

 

Mein Vater ist Iraner und meine Mutter war Philippinin, deshalb habe ich sowohl auf den Philippinen als auch im Iran gelebt. Von 1998 bis 2002 besuchte ich die internationale Schule in Teheran und lernte dort viele Deutsche kennen. Sie waren alle freundlich, sprachen gut Englisch und erzählten viel über das Leben in Deutschland. Bekanntlich gibt es im Iran kaum Freiheit für Frauen, weshalb ich mich sehr dafür interessierte, ob es in anderen Ländern genauso wie im Iran oder eher wie auf den Philippinen ist, wo Frauen frei sind. Andere Kulturen fand ich interessant und war immer neugierig etwas Neues über fremde Länder zu lernen.

 

Als ich auf die Philippinen für ein Bachelorstudium zurückkehrte,  entschied ich mich, Internationale Beziehungen zu studieren und erfuhr dadurch mehr über Europa und Deutschland. Viele Bücher und Artikel, die ich für mein Studium gelesen habe, waren von deutschen Professoren geschrieben, von denen zwei von der Universität Tübingen stammten. Während meines Studiums an der De La Salle University in Manila habe ich eine Organisation für internationale Studierende namens United International Students Organization gegründet und viele ausländische Studenten kennengelernt, unter anderem den Mann meines Lebens. Wir haben für ein Jahr in Manila gelebt, sind dann aber nach Deutschland gezogen, als mein Mann einen Job in Baden-Württemberg gefunden und ich kurz darauf die Zulassung für ein Masterstudium an der Uni Tübingen im Fach Friedensforschung und Internationale Politik erhalten hatte.

 

Zu Beginn meines Studiums sprach ich kaum Deutsch und es war sehr schwierig, weil die Unterrichtssprache Deutsch war. Zum Glück waren aber alle meine Kommilitonen sehr hilfsbereit, sodass  sich mein Deutsch langsam aber stetig verbesserte.

 

Ich habe hier in Deutschland viele schöne und lustige Dinge erlebt. Wegen meiner Größe denken viele, dass ich noch unter 18 bin. Beispielsweise gab mir ein Mann während des Bürgerentscheids für Stuttgart 21 einen Flyer und fragte mich, ob ich wählen kann. Da ich damals noch keine deutsche Staatsbürgerin war, sagte ich, dass ich nicht wählen kann. Bevor ich meinen Satz beendet hatte, sagte er „Naja, Sie sind noch zu jung oder? Sie dürfen noch nicht wählen!“.

 

Das war nicht das letzte Erlebnis dieser Art. Eines Tages klingelte ein Mitarbeiter einer Hilfsorganisation – gefühlte zwei Meter groß und etwa Mitte vierzig – an unserer Tür. Nachdem er seinen kurzen Monolog beendet hatte, fragte er mich doch tatsächlich:  „Sind Mama und Papa da?“. Ich wollte laut loslachen, beherrschte mich aber noch und schüttelte nur mit dem Kopf. Dann beugte er sich zu mir herunter und fragte weiter: „Wann kommen Mama und Papa denn nach Hause?“ Als ich ihm antwortete: „Soll ich meinem Mann etwas ausrichten, wenn er wieder zu Hause ist?“, wurde er rot, lächelte verlegen und verabschiedete sich.

 

Ich habe Deutschland als ein sehr offenherziges Land mit vielen lebensfreudigen  und höflichen Menschen erlebt. Es hat aber auch viele ungeschriebene Regeln, die es einem Neuankömmling, der diese nicht kennt,  nicht ganz leicht machen. "Typisch Deutsch" ist für mich Struktur in allem und jedem, von der Sprache bis zur Lebensweise, was seine Vor- und Nachteile hat.

 

Einerseits mag ich die Ordnung und Sauberkeit hier im Ländle. Nicht zu vergessen die Pünktlichkeit. Anders als auf den Philippinen erscheinen Deutsche nicht eine halbe bis eine Stunde zu spät zu einer Verabredung. Da ich für mein Leben gern plane (mein Studium, Reisen, Essen), kommt mir die deutsche Gewohnheit zu planen, sehr entgegen. Andererseits messen die Deutschen gern alles, weshalb Status eine große Rolle in der Gesellschaft spielt. Jenes Statusdenken führt nicht selten dazu, dass Menschen mit fremden Wurzeln, denen es oft an Status fehlt, in eine Schublade gesteckt werden, weil ihr Wert als Mensch nicht (an)erkannt wird.  Deswegen wünsche ich mir für Esslingen, dass es mehr Austausch zwischen Deutschen und Menschen mit internationaler Herkunft gibt, um gemeinsam an Lösungen für die anstehenden Herausforderungen zu arbeiten. [Laleh Gomariluksch]

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