ICH BIN IREM

 

Mein Name ist Irem. Ich bin 16 Jahre alt und wurde in Deutschland 1998 geboren. Jetzt sitze ich in der zehnten Klasse in einem Gymnasium in Esslingen. Ich bin dankbar, dass meine Lehrerinnen, Lehrer und Eltern mich unterstützten, ins Gymnasium zu gehen. Hier bin ich richtig angekommen. Ich bin gut in der Schule. Meine Lieblingsfächer sind u.a. Mathe, Physik und Chemie. Ich bin eine Wissbegier und lerne neue Sachen kennen. Ich spreche deutsch, türkisch, englisch, etwas französisch und etwas spanisch. Meine Hobbies sind Lesen und Sport, z.B. Fußball und Volleyball. Einmal der Woche in der Mittagsbetreuung gebe ich in meiner Schule eine Nachhilfe für die unteren Klassen. Das ist eine Bereicherung für mich, weil ich lerne, wie ich mit "jüngeren Kindern" umgehen kann. Mein Traum ist, dass ich eines Tages eine Auslandsreise machen kann, vielleicht nach Australien oder Afrika, oder aber auch innerhalb Europa.

 

Meine Großeltern und meine Eltern stammen aus der Türkei. Sie kamen in den 60en Jahren nach Deutschland, als mein Vater 16 Jahre alt war. Ich habe einen türkischen Pass, aber mit 18 Jahren habe ich vorgenommen, die deutsche Staatsangehörigkeit anzunehmen. Ich bin sowohl mit der türkischen als auch der deutschen Kultur verbunden; also mit den beiden Kulturen bin ich aufgewachsen. Die deutschen aber auch die swebischen Einflüsse wie Pünktlichkeit, Direktheit und Sparsamkeit sind in mir, aber auch "die türkische Lockerheit" ist bei mir ausgeprägt. Wenn man mich fragt, ob ich mich als Türkin oder als Deutsche fühle, antworte ich weder noch. Zu Hause übt die türkische Kultur auf mein Leben aus und meine Umgebung draußen beeinflusst mich mit den deutschen Gewohnheiten. In der Türkei merken Leute, dass sobald ich rede aber auch von meinem Verhalten her, keine Einheimische bin. Ebenfalls mit der Frage, wie deutsch ich sei, kann ich nicht sagen. Welches Deutsch? In Deutschland alleine gibt es auch viele unterschiedliche Gewohnheiten und Lebensform. Heutzutage gehört auch z.B. einiges Essen, das eigentlich nicht aus Deutschland stammt, zum "deutschen Geschmack"; wie Pizza. Ich finde, man kann nicht verallgemeinern, dass die Deutschen, Türken, Franzosen oder Italiener so oder genauso leben.

 

Die Gesellschaft pauschalisiert noch die türkisch stämmigen Menschen. Sobald Leute sehen, dass eine Frau türkisch aussieht, oder behaupten, sie wie eine Türkin aussieht, fragen manche Leute, warum sie keinen Kopftuch trägt. Meine beiden Geschwister und ich besuchen das Gymnasium. Ein "Wow-Effekt" bekomme ich von manchen, wenn ich das sage. Es kommt mir manchmal seltsam vor, dass die türkischen Frauen gleich Kopftuchträgerin sind, oder die türkisch-definierten Menschen gleich niedrig ausgebildet und aggressiv  sind. Aber ich kann das nicht übel nehmen, weil diese Leute nicht immer wissen oder sie nicht selber erleben. Ich habe vor, nach dem Gymnasium weiter zu studieren. Ich möchte Leuten zeigen, dass ich trotz meiner türkischen Wurzel nicht in die Hauptschule gehe und eine gute Leistung machen kann.

 

Ich interessiere mich für das Thema Integration und Migration. buntES fand ich vom Internet unter diesem Thema heraus. Deutschland ist ein multikulturelles Land geworden und meines Erachtens ein tolerantes Land. Welche Schule in Deutschland hat keine Schülerinnen und Schüler ohne Migrationshintergrund? Ich bin ein multikultureller Mensch. Ich interessiere mich für andere Kulturen und Religionen, für ein Zusammenleben zwischen den Kulturen. Meine Freunde stammen von den unterschiedlichen Kulturen. Das finde ich sehr schön, weil ein solcher Freundeskreis mein Leben bereichert. Durch sie lerne ich viel und ist mein Horizont erweitert geworden. Das multikulturelles Leben ist ein Pluspunkt für mich.

 

Ich bin sehr gut in die deutsche Gesellschaft integriert. Integration für mich bedeutet, seine Wurzel nicht verliert, aber die deutsche Sprache soll man beherrschen und die Kultur in Deutschland soll man auch wissen. Das bedeutet nicht, dass ich in Deutschland integriere, vergesse ich aber meine Wurzel. Die Türkei ist meine "Heimatswurzel". Er ist  ein Teil meiner Identität. Integration bedeutet auch, wenn man sich hierzulande zu Hause fühlt. Ich fühle mich hier in Deutschland mein Zuhause. In der Türkei und trotz des türkischen Passes fühle ich nicht so, weil ich dort nur während den Schulferien da bin. Hier bin ich geboren und habe meinen Freundeskreis. Nirgendwo fühle ich mich wie zu Hause, außer in Deutschland. Ich bin mit der Türkei durch meine Eltern gebunden. Meine Eltern bringen mir die türkische Kultur bei. Kurz gefasst: Türkisch ist meine Heimat, aber Deutschland ist mein Zuhause. Ich finde, eine Nationalität, ob deutsch, türkisch oder was auch immer, ist es mir nicht so wichtig. Wichtig ist es, wie ich miteinander lebe, wie ich die anderen Kulturen respektiere und akzeptiere. [Adi]

 

Der Text basiert auf einem Interview mit Irem, geschrieben von Adiyanti Sutandyo-Buchholz.

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