MY CHRONBERG (Schweden) erzählt ...

 

Mein Name ist My Chronberg und komme aus Schweden. Seit 2009 lebe ich in Deutschland. Ich kam nach Deutschland, weil mein Mann, der ebenfalls aus Schweden kommt, hier eine Stelle bekam. Zuerst zog mein Mann nach Deutschland. Zwei Monate später kam ich mit unseren Kindern nach. Unser jüngstes Kind wurde in Deutschland geboren. 

 

Zu Hause spreche ich mit meiner Familie schwedisch. Deutsch lernte ich unter dem Motto "learning by doing". Ich besuchte nie einen Deutschkurs. Meine Kinder bekommen in der Schule Nachhilfe für Deutsch. Das ist gut so, weil ich die deutsche Grammatik nicht so gut beherrsche.

 

Ich bin ein Multitasking-Mensch. Neben meiner Rolle als Mutter von drei Kindern, kümmere ich mich auch um Hausarbeit. Beruflich bin ich Bauingenieurin und arbeite zwei Mal die Woche in einer großen Firma. Zu Hause gebe ich Privatunterricht als Nachhilfe für  Schülerinnen und Schülern in Mathematik, Chemie, Physik und Biologie. Weil mein Hobby Nähen ist, nähe ich nebenbei Sachen für Freunde.

 

Vor Deutschland war ich gewohnt im Ausland zu leben. Durch die Arbeit meines Vaters als Bauingenieur lebte ich bereits in Saudi Arabien, Bulgarien, Polen und Spanien. In Spanien schloss ich mein Abitur ab. Der Aufenthalt in dem jeweiligen Land war zwischen ein bis drei Jahren. Jetzt bin ich in Deutschland. Durch meine Auslandserfahrungen spreche ich einige Fremdsprachen wie Englisch, Spanisch und Deutsch. 

 

In Schweden sind die meisten Frauen berufstätig. Normalerweise fangen Frauen wieder an zu arbeiten, und zwar Vollzeit, wenn die Kinder bereits ein Jahr alt sind. Die Kinder werden montags bis freitags ab sieben Uhr zur Kindertagestätte (Kita) gebracht und um 17 Uhr wieder abgeholt. Hausarbeit und Einkaufen machen die Schwedinnen und Schweden am Wochenende. Daher sind Geschäfte samstags und sonntags geöffnet. Es ist üblich, dass Kleinkinder meistens nur an Wochenenden im Kinderwagen sitzen. Kommunikation zwischen Eltern und Kindern sind entweder abends, mit der restlichen Kraft der Eltern nach Feierabend, oder eben an den Wochenenden. In der Woche tagsüber sieht man auf den schwedischen Spielplätzen meistens nur Mütter mit Kindern unter einem Jahr. Die anderen (außer Rentnerinnen und Rentner) sind vermutlich Arbeitslose oder Leute, die von der Sozialhilfe leben. Kinder in höherem Alter verbringen ihre Zeit in der Kita oder Schule.

 

Aufgrund der Situation in Schweden bin ich gegen das Ganztagsschulsystem, weil ich dadurch weniger Zeit mit meinen Kindern verbringen würde. In Schweden, wenn man nicht arbeitet, erhält man keinen Platz in einer Kita. Im Gegensatz zu der Situation in Deutschland, können Frauen hier nicht so leicht ins Berufsleben zurückkommen. Darüber hinaus ist es nicht einfach, einen Platz in einer Kita sowohl für berufliche als auch für nicht berufliche Frauen zu finden. 

 

Ich finde es gut, dass Frauen in Deutschland halbtags arbeiten können. Frauen, die nicht Vollzeit arbeiten, können sie z.B. in ihrer Nachbarschaft gegenseitig helfen. Ich erlebe hier die gegenseitige Hilfe so: vor kurzem nähte ich eine Hose für eine Freundin. Als Gegenleistung half sie mir beim saubermachen die Wohnung.  In Schweden ist es nicht einfach, wenn man tagsüber eine Hilfe braucht, weil alle arbeiten. Bei mir damals, als ich noch in Schweden lebte, musste ich meine Eltern fragen oder selbst die Sache erledigen.

 

Kinder in Deutschland lernen das Fahrradfahren früh. In Schweden lernen jedoch Kinder das Schwimmen sehr früh, weil es dort viele Seen gibt. Das Fahrradfahren lernen die schwedischen Kinder erst mit sechs oder sieben Jahren.

 

Ich fühle mich wohl in Deutschland und habe mich schnell integriert. Ich habe sowohl viele deutsche als auch ausländische Freundinnen und Freunde. Als Schwedin mit heller Haut erlebte ich noch keine rassistische Beleidigung. Ich finde es schade und traurig, wenn man wegen seines Aussehens oder der Hautfarbe diskriminiert und anders beurteilt wird. Einmal erlebten mein Mann und ich, wie ein hoch gebildeter Deutscher sich negativ über Migranten äußerte. Der Anteil der Einwohner mit Migrationshintergrund in der Innenstadt in Esslingen sei enorm hoch, es gäbe zu viel Ausländer, lautete seine Aussage. Ich sagte ihm, dass wir ebenfalls Ausländer sind. Es korrigierte seine Aussage schnell und betonte, dass mein Mann und ich "anders" und nicht DIE Ausländer seien, DIE er meinte.

 

Es macht mich tief betroffen, wenn einer oder eine meines Freundeskreises eine rassistische Aussage oder Diskriminierung erlebt. Ich wünsche mir, dass die Erwachsene sich zum Thema Multikulturalität wie Kinder verhalten würden. Kinder beurteilen andere Kinder nicht nach ihrer Hautfarbe. Solange Erwachsene sich nicht einmischen, sehen Kinder andere Menschen nur mit dem Herzen. [Adi]

 

Der Text basiert auf einem Interview mit My Chronberg. Interviewerin/Verfasserin: Adiyanti Sutandyo-Buchholz.

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