Aman erzählt seine Geschichte:

Wie bei vielen Jungennamen in Eritrea, gaben meine Eltern mir den Name Aman, das bedeutet "der Gute". Ich bin Mitte zwanzig und lebe im Landkreis Esslingen.

 

Nachdem ich meine Schule, die bis zur zwölften Klasse dauerte, abgeschlossen hatte, wurde ich gezwungen, für unbestimmte Zeit in die Armee zu gehen. Nach einem Jahr konnte ich es nicht mehr aushalten. Anfang 2014 floh ich alleine zu Fuß nach Äthiopien. Von dort fuhr ich mit unterschiedlichen LKWs durch Sudan und Libyen, und mit dem Schlauchboot bis Italien.

 

Ca. fünf Monate lang war die Reise. Sie war gefährlich und ich musste miterleben, wie einige Menschen: Männer, Frauen, Kinder, alt, jung, unterwegs keine Kraft mehr hatten und sterben mussten. Sowohl die Fahrt durch die Sahara Wüste, als auch die Reise auf dem Mittelmeer war ein Albtraum. Durch die Sahara musste ich mit anderen 35 Leuten in einem LKW stundenlang furchtbar eng nebeneinandersitzen. In einem großen LKW versteckten Schlepper uns in einer Kiste unter einem Container, damit wir von der Grenzkontrolle nicht erwischt wurden. Am Tage war die Sahara sehr heiß und nachts wäre ich fast erfroren. Da die Fahrt eine Woche dauerte, mussten wir nachts einfach so im Sand schlafen. Die Fahrt nach Italien mit einem überfüllten Schlauchboot, ca. 600 Menschen an Bord, war genauso schrecklich. Unser Boot kippte beinahe um. Einige Leute fielen ins Meer. Sie konnten nicht mehr gerettet werden und starben. Niemand von uns hatte eine Rettungsweste.

 

Obwohl ich erst ein Jahr in Deutschland lebe, erlebe ich hier die Freiheit. Hier zwingt man dich nicht, dass du dies oder das machen musst. Ich kann selbst sein, wie ich bin. Die Leute im Ort, wo ich wohne, sind sehr nett. Jetzt arbeite ich in einer gemeinnützigen Einrichtung. Weil mein Asylverfahren noch in Bearbeitung ist, kann ich noch nicht richtig arbeiten. Es ist aber gut so, ich will nicht nur rumsitzen. Währenddessen nutze ich auch die Zeit, deutsch zu lernen. Ich bin froh, dass es ehrenamtliche Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer gibt, die ihre Freizeit opfern, uns, den Flüchtlingen, deutsch beizubringen. Deutsch ist schwierig aber ich möchte unbedingt diese Sprache sprechen können. Jetzt spreche ich langsam immer mehr deutsch, aber ich muss noch mehr schaffen.

 

Ich hoffe, bald bekomme ich eine Aufenthaltserlaubnis. Dann kann ich meinen Traum verwirklichen, eine Ausbildung zum Tischler zu machen. Darauf freue ich mich schon.

 

Anmerkung von der Interviewerin:

Aman ist ein zierlicher kleiner Mann. Er wirkt jünger als er wirklich ist. Es ist kein Wunder, wenn Kinder ihn mögen. Er mag Kinder auch sehr gerne. Ein paar Male beobachtete die Interviewerin, wie gut er mit Kindern umging. „Warum magst du Kinder?“, fragte die Interviewerin ihn. Es läge daran, sagte er, dass es viele Kinder in seiner Nachbarschaft in Eritrea gab und er hat sich viel mit ihnen beschäftigt. „Wenn ich unter Kindern bin, fühle ich mich selbst wie ein Kind. Sie sind fröhlich und ehrlich. So fühle ich mich, wenn ich mit ihnen spiele“, fügte Aman mit strahlenden Augen zu.

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