Leni erzählt ihre Geschichte:

Mein Name ist Leni. Ich wohne in Esslingen und komme ursprünglich aus Kosovo.

 

Wegen der Gesetze des serbischen Regimes und des bevorstehenden Krieges bin ich 1992 mit meinem Mann und meiner ersten Tochter, die damals gerade zwei Jahre alt war, aus Kosovo geflüchtet. Ich war zu der Zeit wieder schwanger. Wir wollten in einem demokratischen Land leben.

 

Zunächst sind wir mit dem Auto nach Mazedonien und danach mit einem kleinen Bus nach Karlsruhe gefahren. Für die Flucht mussten wir viel Geld an einen Schlepper bezahlen. In Karlsruhe angekommen blieben wir einige Tage in einer Erstaufnahmeunterkunft. Danach wurden wir in eine Übergangsunterkunft in Göppingen gebracht. Anschließend lebten wir zwei Jahre lang in einem Flüchtlingsheim in der Rennstraße in Esslingen am Neckar.

Foto: Leni

 

Das Leben in den verschiedenen Flüchtlingsunterkünften war ungewohnt, sehr unruhig und manchmal unangenehm. Viele Leute aus den unterschiedlichen Ländern waren dort. Zum ersten Mal in meinem Leben sah ich Leute aus Afrika. Wir bekamen Lebensmittel und Sachleistungen wie Kleidung direkt in der Unterkunft. Alle 14 Tagen erhielt man pro Person ein Taschengeld von 60,- DM.

 

Bereits damals empfingen Deutsche uns Flüchtlinge offen und gastfreundlich. Es gab aber zu der Zeit auch Rechtsradikale, die vor Asylheimen randalierten. Bis heute trifft man gelegentlich auf Menschen, die gegenüber Flüchtlinge Vorbehalte haben. Denn sollte man am besten aus dem Weg gehen.

Flüchtlingskinder in einem Flüchtlingsheim und im Hintergrund sind zwei Frauen von einem freiwilligen Sozialdienst (1993). Foto: Leni

Seit 2000 haben meine Familie und ich einen deutschen Pass. Hierzulande bin ich gut integriert und habe keine Konflikte wegen meines Status als ehemaliger Flüchtling. Meinem Mann und mir war es wichtig, die deutsche Sprache zu erlernen. Heute ist Deutsch kein Hindernis für uns. Allerdings musste man im Beruf oder im sozialen Leben oftmals beweisen, dass man als Flüchtling auf ehrlicher Basis arbeitet und lebt.

 

Unsere Familie fühlt sich in Esslingen sehr wohl. Mein Mann und ich sind berufstätig. Wir haben noch viele Verwandte in Kosovo, auch meine Eltern leben dort. So reisen wir in den Sommerferien regelmäßig dorthin. Durch meinen Beruf habe ich aber auch viel Kontakt mit Deutschen und viele aus meinem Freundeskreis sind Deutsche.

 

Welchen Eindruck habe ich von Flüchtlingen heute? Viele von ihnen sind durch Kriege traumatisiert und erschöpft. So wie ich damals sind sie froh, in ein Land wie Deutschland zu kommen, in dem Frieden herrscht. Ich bin der Meinung, dass Deutschland seine Tür für Flüchtlinge öffnen sollte, genauso wie damals nach dem zweiten Weltkrieg, als die vertriebenen Deutsche aus Mittel- und Osteuropa angekommen sind. Allerdings wird Deutschland allmählich von der Flüchtlingswelle überfordert.

 

Es wäre für mich kein Problem, wenn einen Flüchtlingsheim in meiner Umgebung gebaut werden sollte. Das würde ich sogar unterstützen. Ich wünsche mir, dass die Esslinger Mitbürgerinnen und Mitbürger den Flüchtlingen Verständnis und Offenheit entgegen bringen. Die Geflüchteten sollten die Chancen auf einen Ausbildung und Arbeitsplatz bekommen, aber dafür ist es wichtig, dass sie zunächst die Sprache erlernen. [Adi]

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