Katharina Schütze

(Lehrerin an der GMS der Katharinenschule)

 

Foto: KS

Sprachen haben mich schon immer fasziniert. Ich habe Romanistik an der Uni und Deutsch an der PH studiert. Seit 16 Jahren bin ich nun Deutschlehrerin, unterrichte aber erst das zweite Jahr in einer Vorbereitungsklasse an der Katharinenschule in Esslingen.

 

Zur Zeit habe ich in meiner Klasse 18 Kinder mit 11 verschiedenen Nationalitäten im Alter von 6 bis 10 Jahren. Alle sind ohne jegliche Deutschkenntnisse in die Klasse gekommen.

Ich empfinde die Arbeit in einer solchen Migranten-Klasse als Herausforderung und gleichzeitig als große Erfüllung.

Meine höchste Herausforderung ist momentan die enorme Heterogenität in der Klasse - nicht nur im Hinblick auf die Sprachen- und Kulturenvielfalt, sondern auch in Bezug auf den Lernstand. Es gibt sehr schwache Erstklässler, die sich schwer tun, das Lesen und Schreiben zu erlernen. Daneben habe ich in derselben Klasse sehr lernstarke, fleißige, motivierte ältere Kinder, die sprachliche Inhalte vermittelt bekommen müssen, die die Erstklässler natürlich überfordern. Ich bereite den Unterricht immer doppelt und dreifach vor, um allen Altersstufen angemessene Aufgaben geben zu können.

Was alle gemeinsam mit Freude lernen, ist der Wortschatz. Wir arbeiten in der Grundschule natürlich sehr anschaulich mit vielen Spielen, Liedern, Bewegungen und Lernmaterialien.

Die größeren Kinder lernen die Sprache schon eher systematisch, die Kleineren rein durch das Tun, Hören, Nachsprechen und die Intuition.

Immer wieder wird mir bewusst, wie schwierig die deutsche Sprache ist und welche Leistung die Kinder aufbringen, indem sie diese erlernen. Mir ist auch klar geworden, dass man viel Geduld haben muss und jedem Kind seine Zeit zugestehen muss. Manche Schüler lernen unglaublich schnell und können bald in eine Regelklasse wechseln, während andere lange auf sich warten lassen. Das hängt nicht nur von der Begabung des Kindes ab, sondern auch von dem häuslichen Umfeld, der Unterstützung zu Hause und den Aktivitäten in der Freizeit.

Problematisch sind für mich zur Zeit die Schüler aus dem Asylantenheim (aus Mazedonien, Albanien, Serbien und dem Kosovo), die aus bildungsfernen Familien kommen und deren Eltern zum Teil Analphabeten sind. Diese werden in den Familien nicht unterstützt, machen selten Hausaufgaben, üben nicht und kommen daher nur langsam voran.

 

Trotz der Herausforderungen gefällt mir die Arbeit mit den Migrantenkindern sehr, da sie meiner Affinität zu Sprachen und Menschen anderer Kulturen entgegenkommt. Da ich einige Sprachen spreche, habe ich die Möglichkeit, teilweise mit den Schülern in ihrer Muttersprache zu kommunizieren - allerdings nur im Notfall, denn in der Regel spreche ich mit allen Kindern natürlich Deutsch.

Die eigene Fremdsprachenkompetenz ist für mich aber auch insofern wichtig, dass ich manche Probleme der Schüler besser verstehen und einordnen kann. Ich kann sie dann bewusst auf bestimmte Unterschiede zu ihrer Muttersprache hinweisen.

Gerne würde ich selbst noch mehr Sprachen (zumindest rudimentär) sprechen, um den Kindern noch näher zu sein. Aber dazu reicht mir die Zeit nicht.

 

Je länger ich in der VKL-Klasse unterrichte, desto mehr Respekt bekomme ich vor diesen Kindern, die unsere deutsche Sprache erlernen müssen, insbesondere wenn sie in ihrer Muttersprache zudem noch eine andere Schrift gebrauchen. Auch die oft schwierigen sozialen Verhältnisse der Kinder und ihre Sehnsucht nach der Heimat muss ich mir immer wieder vor Augen halten.

Ich versuche, jeden kleinen Fortschritt zu sehen und zu würdigen. Das gibt mir immer wieder neue Kraft und Freude an dieser Arbeit.

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